Microgreen – vitaminreiches, junges Grünkraut ist schnell und einfach selbst gemacht

Seit einigen Jahren entwickelt sich ein Trend, bei dem es darum geht, seine eigenen Grünkräuter direkt auf der Fensterbank groß zu ziehen. Dabei geht es nicht in erster Linie um klassische Küchenkräuter, wie zum Beispiel Schnittlauch oder Petersilie. Denn diese brauchen Wochen, bis sie voll entwickelt sind und für Gerichte verwendet werden können. Bei den Grünkräutern, die unter den Begriff Microgreens fallen, handelt es sich um junge Pflanzen, die etwa zwischen 6 und 14 Tagen nach der Aussaat bereits geerntet werden.

Das ist keineswegs eine neue Erfindung. Bekannt ist dies aus Kindertagen vor allem durch Kresse. Jeden Tag war zu erkennen, dass die Kresse gewachsen war und immer grüner wurde. Kresse wurde einfach in einer Schale mit Erde oder Watte ausgesät. Dann war es wichtig darauf zu achten, dass es nicht austrocknet. Es ist nur wenig Arbeit am Tag und mit ein wenig Geduld für ein paar Tage, ist selbst angebautes, junges und frisches Grünkraut erntereif. Neben der klassischen Variante mit Kresse ist das auf die gleiche Weise mit vielen anderen Samen auch möglich. Vieles gelingt dabei sogar, ohne dass es in Erde ausgesät werden muss.

Der Anbau von Grünkraut lohnt sich für den Eigenbedarf schon im kleinen Stil. Vor allem die eigene Gesundheit profitiert von den Inhaltsstoffen der jungen Grünpflanzen. Sie enthalten nämlich viele Vitamine, Aminosäuren, Mineralien, Spurenelemente und vieles mehr. Alle ihre Nährstoffe sind sogar in höherer Konzentration vorhanden, als die der ausgewachsenen Pflanze. Tatsächlich haben 100 Gramm Brokkoli als Microgreens mehr Mikronährstoffe, als 100 Gramm klassisch zubereiteter Brokkoli. Außerdem gehen kaum Nährstoffe durch die Verarbeitung verloren, da das junge Gemüse bis auf wenige Ausnahmen, wie beispielsweise die Hülsenfrüchtler, direkt roh verzehrt werden kann.

 

Tipps und Tricks zum Anbau von Microgreen 

Allem voran ist das geeignete Saatgut für Microgreens entscheidend für den Erfolg bei der Anzucht. Eine hohe Keimrate der Samen sorgt dabei nicht nur für einen größeren Ertrag, sondern für einen möglichst keimfreien Anbau. Nicht gekeimte Samen verderben schnell, sind anfällig für Schimmel und können andere Keimlinge Anstecken. Bestenfalls wird daher Saatgut aus kontrolliert biologischem Anbau gewählt, mit hoher Keimrate und sicherer Herkunft.

Zuerst werden die Samen in einem Sieb unter fließendem Wasser abgespült. Anschließend werden sie in einer Schüssel oder in einem Glas in kaltem Wasser eingeweicht. Je nach Sorte sind es meist 6-12 Stunden. Dafür am einfachsten über Nacht stehen lassen. Hierbei sollte je nach Sorte auf ausreichende Menge Wasser geachtet werden. Denn manches Saatgut, wie beispielsweise Erbsen, quillt deutlich auf und benötigt in etwa die vierfache Menge an Wasser. Manche Keimsaaten müssen nur ganz kurz oder sogar gar nicht eingeweicht werden. Diese Hinweise finden sich auf den Verpackungen der Keimsaaten, ebenso wie der Zeitraum der Keimdauer.

Zum Keimen lassen der Keimsaat einen hellen Ort wählen, aber direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Werden die Saaten in Erde gepflanzt, dient diese für die jungen Pflanzen als Nährstofflieferant aber vor allem auch als Wasserspeicher. Hierbei immer darauf achten, dass die Erde nicht austrocknet und dass keine Staunässe entsteht. Hilfreich hierfür ist ein Sprüher, der das Wasser leichter dosieren lässt. Werden die Saaten in Gläsern oder Keimgeräten gezogen, sollten sie je nach Temperatur 2 bis 3 mal pro Tag durchgespült werden. Dieses gibt den Pflanzen Wasser und spült unerwünschte Bakterien und Keime fort. Dabei ist eine gute Belüftung ebenso wichtig wie das vollständige Ablaufen des Wassers. Schon innerhalb weniger Tage ist die Aussaat erntereif. Auf diese Art gelingt es, auf nur wenig Platz, wie beispielsweise der Fensterbank, nährstoffreiche Microgreens anzubauen.

 

Junges Gemüse für die eigene Küche

Da schlägt das Herz jedes Gärtners höher. Denn die Anzucht von Microgreens gelingt im Winter hervorragend. Spätestens wenn draußen die Gartensaison beendet ist, sorgen Grünkräuter und Süßgräser von der Fensterbank für Geschmack und Nährstoffe. Sie sind neben ihrem leckeren und intensiven Geschmack ebenfalls ein schöner Hingucker im Wohnraum. Es wird nicht mal ein Platz direkt am Fenster benötigt. Nur etwas hell sollte es sein.

Die Sortenvielfalt scheint immer größer zu werden und immer mehr neue Keimsaaten für die Anzucht von Microgreens finden den Weg in den Handel. Zum Ausprobieren vereinzelter Sorten gibt es kleine praktische Portionen. Für den größeren Bedarf finden sich mehrere Hundert Gramm Packungen oder sogar Pakete mit mehreren Kilogramm. Dazu sei angemerkt, dass die Samen um ein Vielfaches an Volumen und Gewicht zulegen. Je nach Sorte ergibt ein Esslöffel an Samen nach ein bis zwei Wochen einen ganzen Teller mit Grünkraut. Daher gilt, vor dem Kauf großer Mengen im Kleinen anzufangen und sich nach und nach an neue Sorten heranzutasten. Wer mit einer Sorte vertraut ist, entwickelt schneller ein Gefühl für Wasserbedarf und Keimdauer.

Meist finden Microgreens Einsatz als Gewürzkraut für Salate. Vor allem scharfe Sorten wie Radieschen eignen sich hierfür besonders gut. Microgreens sind auch beliebt als Würze für den Frischkäse. Aufs Butterbrot eignet sich Senf als Grünkraut. Als Garnitur für Suppen werden viele unterschiedliche Sorten einfach kurz vor dem servieren über den Teller gestreut. Sie eignen sich sogar als Zutat für das morgendliche Müsli.

Wichtig ist die Angabe auf der Verpackung des Herstellers zu beachten, die zum Saatgut und zur Aufzucht gemacht werden. Manche jungen Pflanzen beinhalten noch einen Fraßschutz. Alfalfa, zu deutsch Luzerne, sollte erst nach dem 7. Tag verzehrt werden. Dann ist das enthaltene Canavanin vollständig abgebaut. Die Anwendung von Microgreens ist grundsätzlich unkompliziert, allerdings gibt es für Hülsenfrüchte noch eine Besonderheit. Diese sollten vor dem Verzehr für ein paar Minuten blanchiert werden. So ist sichergestellt, dass alle nichtverträglichen Inhaltsstoffe unschädlich gemacht werden. Grundsätzlich ließe sich für jeden Tag ein kleiner Salat als Beilage selber ziehen. Das ist gar nicht so schwer, es benötigt nur etwas Planung, damit jeden Tag etwas geerntet werden kann.

 

Süßgräser als Besonderheit

Neben den Grünkräutern werden auch vermehrt Süßgräser angebaut. Diese enthalten sogar noch mehr wichtige Inhaltsstoffe als viele Microgreens. Zu den beliebtesten Süßgräsern gehören wohl Weizen und Gerste. Weitere Süßgräser sind beispielsweise Roggen, Hafer, Dinkel und noch viele mehr. Die Anbaumethode ist die gleiche wie bei Grünkräutern, nur die Verwendung in der Ernährung ist eine etwas andere. Da die Fasern der Gräser unverdaulich sind, werden die Süßgräser nicht in Speisen gegeben, sondern meist entsaftet. Der Saft ist tiefgrün, sehr intensiv und wird häufig bei Fastenkuren zur Entgiftung eingesetzt.

 

Microgreens als Einnahmequelle

Regionales und frisches Gemüse ist ein Trend, der anhält. Gerade bei Grünkräutern schmeckt die Frische deutlich heraus. Vor allem, wenn sie erst kurz vor dem Verzehr geerntet sind. Saftig frisches Grünkraut ist nicht nur bei Rohköstlern gefragt. Von Familien, die wert auf gesunde Kost legen, über Gourmets, bis hin zur Sterne Gastronomie: Microgreens sind gefragt. Sie dienen als nahrhafter Vitalstofflieferant, werden genutzt zum Verfeinern von herzhaften Gerichten und zum Würzen von Salaten.

Wer sich weitergehend mit einem Business beschäftigt, findet sicherlich Abnehmer. Doch für den gewerblichen Anbau von Microgreens lohnt sich besseres Equipment. Auch wenn ein paar Kräuter auf der Fensterbank nicht viel Arbeit bereiten, sie im größeren Stil anzubauen bedarf mehr Vorbereitung und ist etwas aufwendiger. Mit der richtigen Ausstattung für die Bewässerung und praktischen Pflanzgefäßen geht die Arbeit aber schneller von der Hand.

 

Zusammengefasst

Grünkräuter bzw. Microgreens in die Ernährung einzubauen ist ein gesunder Trend, der anhält und sich ausweitet. Dieser Trend zieht sich von Hobbygärtnern, über die heimische Küche bis in die gehobene Gastronomie. Grünkräuter und Süßgräser sind gefragte Zutaten für eine Vielzahl von Gerichten, denn Microgreens werten Mahlzeiten geschmacklich auf. Zusätzlich liefern sie viele Vitamine und Mineralstoffe, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und viele weitere wichtige Mikronährstoffe. Sie sind einfach anzubauen, benötigen nicht viel Zeit und Aufwand, sondern müssen meist nur morgens und abends gewässert werden. Sie bereichern den Speiseplan um viele Geschmacksrichtungen und sind auch noch schön anzusehen.

  • Feb 14, 2019
  • Kategorie: News
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